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Ich habe einige NĂ€chte schlecht geschlafen und komme einfach nicht dahinter, warum.
Im Grunde sind wir eine tolle kleine Familie đŸ‘Ș mit einem wirklich guten Leben. Das ist etwas, was ich nach den vielen Strapazen durch meinen schweren Morbus Crohn besonders zu schĂ€tzen weiß.
Damals – nach plötzlichem Ausbruch der Erkrankung – war ich in einen Strudel von Sorgen, Kummer, Obdachlosigkeit und sozialen Abstieg geraten. WĂ€hrend ich im kĂŒnstlichen Koma lag, verlor ich meine Wohnung, meinen Job und meine Fitness.

Ihr glaubt gar nicht, wie mich das geprÀgt hat. Damals war ich gerade mal 30 Jahre alt und hatte mein Leben eigentlich noch vor mir.
In einigen BeitrÀgen habe ich den schweren Schicksalsschlag begonnen, zu verarbeiten.
Doch jetzt geht es uns gut. Meine Eltern haben mich damals aus dem Sumpf gezogen. SpĂ€ter lernte ich meinen Lebenspartner kennen, der mich hielt und stĂŒtzte. Wir haben eine kleine Tochter bekommen und wohnen heute in einer tollen Gegend.

Jedoch die schweren Zeiten gehen nicht spurlos an einem vorbei.

Es war eine regelrechte GÀngelei von Jobcenter, Krankenkasse, Rentenversicherung und Vermietern auch wÀhrend meines langwierigen Genesungsprozesses.
NatĂŒrlich ging es darum, mich wieder salonfĂ€hig zu machen, arbeits- und gesellschaftsfĂ€hig. In so einer Prozedur ĂŒber mehrere Jahre gefangen zu sein, gibt dir einen anderen Blick auf das Land und seine Möglichkeiten.
Du staunst, wie du vorher funktioniert hast bis zum Umfallen, wie schnell du absteigen kannst in diesem System und wie wenig echte Hilfe du hast, um wieder auf die Beine zu kommen. Es gibt nur Sanktionen und Druck, Begutachtungen und AntrĂ€ge, Wiedereingliederungsmaßnahmen und Chancenlosigkeit.

Die Zeit war sehr hart und kaum seelisch auszuhalten.

Plötzlich merkst du, in welchem Hamsterrad du dich bewegst und willst eigentlich nur noch weg. Ganz weit weg.
Diese Ă€ußere Fremdbestimmung hat mich sehr geprĂ€gt. Ich bin schon immer sehr nach Autonomie bestrebt, jedoch dass war wie ein Korsett um dein neues Leben, es nimmt die Luft zum Atmen und die Kraft zum Denken.
Die große Frage fĂŒr mich war und ist seitdem, was wir als Menschen wert sind. Ohne Geld leider nichts.
Keiner von uns darf ohne Geld ĂŒber sich selbst entscheiden. Niemand. Das macht Angst.
Wir haben keine Selbstbestimmung, in keinem Teil unseres Lebens. Schon gar nicht ohne Geld.

Was genau ist die MenschenwĂŒrde, von der alle reden? Wo wurzelt sie und wie definiert sie sich?

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